Ergebnisse

Der Münchner Cyber Dialog 2015

Die Cyber Akademie und der Behörden Spiegel brachten beim diesjährigen Münchner Cyber Dialog erneut Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft an einen Tisch, um über die aktuelle Bedrohungslage im Bereich Cybercrime zu diskutieren und mögliche Verteidigungsstrategien zu erörtern.

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Staatssekretär Pschierer sieht es als eine Aufgabe des Staates an, kleine und mittelständische Unternehmen im Kampf gegen Cyberkriminelle zu unterstützen. (Foto: CAk/Giessen)

Franz-Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie hofft, dass die Zusammenarbeit intensiviert wird. „Sie leisten Pionierarbeit“, so Pschierer in Richtung der Veranstalter. Er sagte, dass Hackerangriffe heute leider „Tagesgeschäft“ seien und immer komplexer würden. Man müsse daher auf der Höhe der Zeit bleiben, um sich effektiv wehren zu können. Als wichtige Aufgabe des Staates sieht Pschierer die Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) im Kampf gegen Cybercriminelle. „Hier sind die Schäden besonders groß“, sagte der Staatssekretär.

„Sind wir auf den digitalen Wandel vorbereitet?“

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Staatssekretärin Dorothee Bär wies in ihrem Vortrag besonders auf die Chancen der Digitalisierung hin. (Foto: CAk/Giessen)

Dorothee Bär, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, legte in ihrem Vortrag besonderen Wert auf die Chancen der Digitalisierung. Sie vertrat die Auffassung, dass die Bereiche digitale Infrastruktur und Verkehr sehr gut zusammen passen würden, da es durchaus Schnittmengen gäbe, wie z.B. das autonome Fahren. Die Staatssekretärin machte anhand dieses Beispiels deutlich, dass häufig ausschließlich über die Risiken als über die Chancen gesprochen werde. So würden nur wenige einen Vorteil darin sehen, während des Fahrens etwas anderes machen zu können, statt sich auf den Straßenverkehr konzentrieren zu müssen. „Für mich ist ein positives Denken im Umgang mit der Digitalisierung immer besonders wichtig“, so Bär. Über die Digitalisierung hauptsächlich nur „sehr technisch“ gesprochen. Daher warf sie eine Grundfrage in den Raum: „Sind wir auf den digitalen Wandel vorbereitet?“ Sie machte deutlich, dass die Digitalisierung insgesamt in einem sehr schnellen Tempo ablaufe und mit einem gesellschaftlichen Wandel einhergehe.

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Martin Schallbruch widmete sich in seinem Vortrag unter anderem dem IT-Sicherheitsgesetz. (Foto: CAk/Giessen)

Martin Schallbruch, Leiter der Abteilung Informationstechnik, Digitale Gesellschaft und Cybersicherheit im Bundesinnenministerium, sieht in der Digitalisierung einen „Motor der Gesellschaft“. Allerdings führe die „Verbindung von allem mit jedem“ auch zu einer wachsenden Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur. Laut Schallbruch lässt das Gefahrenbewusstsein bei Bürgern und Unternehmen nach wie vor zu Wünschen übrig. Hier sei ein Umdenken nötig, nicht zuletzt, weil Cybercrime laut Europol einer der stärksten wachsenden Delikte überhaupt sei. Ein wichtiger Aspekt seines Vortrages war das IT-Sicherheitsgesetz (ITSiG), was laut Schallbruch diejenigen beträfe, die sich „im Herz unserer Digitalen Gesellschaft“ befänden. In Zusammenhang mit der von Unternehmen oft kritisierten Meldepflicht für IT-Angriffe machte Schallbruch deutlich, dass es eine namentliche Nennung von Unternehmen nur dann gäbe, wenn die Funktionsfähigkeit des gesamten Unternehmens gefährdet ist, oder wenn Folgen für eine gesamte Branche zu befürchten seien.

Hackerangriffe sind alltäglich

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Für Dr. Joseph Reger macht die Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Welt kaum noch Sinn, da beides immer mehr zusammenwachsen würde. (Foto: CAk/Giessen)

Für Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer bei Fujitsu EMEIA gibt es in Bezug auf IT-Attacken zwei Arten von Unternehmen. „Die einen wurden schon von chinesischen Hackern angegriffen und die anderen wissen noch nicht, dass sie schon angegriffen wurden“. Eine Herausforderung für die IT-Sicherheit ist laut Reger, dass die private und die berufliche IT immer stärker zusammenwachsen würden. Die Unterscheidung zwischen digitaler und analoger Infrastruktur wie z.B. dem Straßenverkehr macht für Reger kaum Sinn. „Die digitale und die analoge Infrastruktur wächst zusammen und wird bald identisch sein“, ist Reger sicher. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es zwar nicht geben, aber man müsse trotzdem alle Möglichkeiten ausreizen, um möglichst nah an 100 Prozent heranzukommen.

Robert Burls, Head of Incident Response (EMEA) bei der Symantec Corporation machte sehr plakativ deutlich, worauf es in der digitalen Welt ankommt. „Knowledge is power“, so der Sicherheitsexperte. In der digitalen Welt sei somit die Verfügbarkeit von möglichst großen Datenmengen ein Wettbewerbsvorteil. Laut Burls seien fünf von sechs Großunternehmen bereits Opfer eines Cyber-Angriffs geworden. Er macht sich für ein effektives Notfallmanagement im Bereich IT-Sicherheit stark. Rund 40% aller Unternehmen würden über gar keine Notfallpläne verfügen.

Die rund 200 Teilnehmer waren sich einig, dass eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik nötig ist, um den aktuellen Bedrohungen der IT-Sicherheit begegnen zu können. Besonders bei kleinen Unternehmen ist die IT-Sicherheit aus Kostengründen oft nicht sonderlich gut aufgestellt. Eine bessere Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen könnte hier Abhilfe schaffen.